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8.-12.11.2009 Excursion auf die 53.Biennale nach Venedig. Vor- und Nachwort

Exkursion nach Venedig zur 53. Biennale
oder die Droge Aufmerksamkeit


Wenn wir vom 8. – 12. November nach Venedig aufbrechen, um beim diesjährigen »Welten machen« mitzuwirken, sollten wir zunächst unsere eigenen Erwartungen reflektieren, den eigenen Blick im Visier haben, der möglicherweise zu wenig einfühlsam, zu wenig experimentierfreudig, zu wenig interessenbetont und lustvoll an die Dinge herangeht. Denn zweifellos ist die erforderliche Aufmerksamkeit eine der Drogen, die Kunst am Leben hält und uns hilft, das aktuelle Riesenangebot an Ausstellungen

● Giardini della Biennale,

● Palazzo delle Exposizioni und Arsenale,

● Palazzo Fortuny mit »In-Finitum«,

● Punta della Dogana und

● Fondazione Querini Stampalia und

● die vielen angemieteten Palazzi und Kirchen in der Stadt bewältigen mit offenen Wahrnehmungsweisen und interagierenden Diskursformen.

Wie also können wir an die Biennale herangehen, wie können wir uns auf der Biennale bewegen in der Aufeinanderfolge hochgradig verschiedener Werkgruppen.

Jeder einzelne Exkursionsteilnehmer könnte den zunächst für ihn springenden Punkt und spezifischen Wahrnehmungs- und Interessen-Ansatz entdecken – wünschenswerterweise aus dem eigenen Gestaltungs- und Theorieansatz heraus. Dies bringt mit sich, dass wir versuchen, die jeweils eigenartige, vom Werk, von der Installation ausgehende Atmosphäre einzufangen, um dann die Gestaltungslogik und die Spezifik des jeweils präsentierten und inszenierten Kunsttypus und seine Wahrnehmung und Interaktionsformen zu erfassen und zu reflektieren.

Über die professionelle kunstverstehende und -vermittelnde Notwendigkeit dieser Venedig-Exkursion hinaus wird die persönliche Relevanz für das individuelle und soziale (Zusammen-)Leben wichtig: der Ausstellungsmacher, Daniel Birnbaum, seines Zeichens auch Direktor der Städel Kunstschule in Frankfurt, bezieht sich hier auf Nelson Goodmans “Ways of Worldmaking“ (Weisen der Welterzeugung) von 1978, um hochmotiviert eigene interessante lebendige Kunstbezüge herzustellen. Die alte und hoffentlich immer wieder junge Biennale soll bei der notwendigen partiellen Erfindung der Kunstpädagogik wieder Modell stehen, mit ihrer Feier der Vielfalt, ihrer kreativen Ambivalenz, ihrer Komplexität, ihren Debatten – auch unter den Exkursionsteilnehmern

● als Offenheit für künstlerische und kunstvermittelnde Strömungen und Neuansätze,

● als belebendes Tauziehen zwischen idealer kunstvermittelnder Konzeption einer Interessen-Differenzierung und Projekt-Orientierung und deren pragmatischen Umsetzung z. B. in unseren experimentellen Versuchen an unseren drei Modellschulen, wo wir uns im Prozess der Entwicklung der Projekt-Tage-Bücher der Schüler und Projekt-Planungs-Bücher der „Lernberater“ ständig erproben und dem Experiment und der Transformation bis hin zum gemeinsamen Bildertheater und zur Aufführung mit allen erarbeiteten Gestaltungselementen öffnen.

Diese unsere »Zukunft(s)Werkstatt«, unser ideales Selbst versteht sich dann als kulturelle exemplarische Denk- und Gestaltungseinrichtung,

● die allergisch reagiert auf das Vollstopfen der Studien- und Stundenpläne mit modual abrechnungspflichtigen Kursen.

Und eröffnet das »Modul-System« den Studierenden neue Möglichkeiten für eine Kombination attraktiver (Lehr- und Exkursions-)

Angebote und damit verbundener Qualifikationen sowie für eine flexiblere Verbindung von Wahrnehmen und Vermitteln, beruflichen Ausrichtungen und privater Lebensplanung?

● Kurzum: Unser Zukunft(s)Werkstatt-Ansatz verspricht sich z. B. von dieser Ost und West, Süd und Nord verbindenden 53. Biennale inspirierende Impulse und Anregungen und Mut.

Und ohne den Fall der Mauer wäre das alles nicht möglich gewesen. So gesehen liefert die Biennale auch die Ausstellung zum Jubiläum des Mauerfalls in Berlin …

Und wir werden in Venedig u.a. die »In-Finitum«-Ausstellung im Palazzo Fortuny besuchen. Nicht allein, weil die Illusion erzeugt wird, Kunst und Leben würden hier ganz nahe zusammenrücken, sondern weil sie so ganz anders ist als eine Ausstellung im White Cube. Vor zwei Jahren suggerierte der Titel “Arttempo. Where time becomes Art“ eine Verbindung von Kunst und Zeit, zwischendurch zeigte Axel Vervoordt in Paris „Academia. Qui es tu.“ Jetzt will er mit “In-Finitum“ auf das „Unfertige im Fertigen“, das „Unbegrenzte im Begrenzten“ hinweisen: auch ein spannendes Thema für die Kunstpädagogik weit über die diesjährige Biennale hinaus … Gehen wir’s an.

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