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Begrüßung zum Sommersemester 2008

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

vor zwölf Jahren begann die Kunstpädagogik mit den ersten Modellversuchen an der Universität Würzburg, in denen das Konzept eines »interessen-differenzierten projekt-orientierten Kunstunterichts« in die Praxis umgesetzt wurde. Inzwischen wird in drei Modellklassen das anspruchsvolle Konzept der ästhetischen Interessendifferenzierung mit großem Erfolg realisiert:

• in der Kerschensteiner Grundschule Schweinfurt

mit Frau Dr. Natascha Nowack-Göttinger,

• in der Sonderschule am Heuchelhof

mit Frau Christine Schöneborn und

• in der Real-/Hauptschule Schweinfurt

mit Herrn Dr. Rudolf Sanladerer.

Auch an dieser Stelle möchte ich diesen drei äußerst engagierten Kunstpädagogen ganz herzlich danken

• für die kongeniale Übersetzung der interessen-differenzierten projekt-orientierten
Handlungsmodelle und

• für die hervorragende Vermittlung und Weitergabe an unsere Studierenden,

die auch wieder in diesem Semester als Lernberater in kleinen Schülergruppen die besondere Bedeutung von ästhetischer Kompetenzerfahrung, (Gestaltungs-)Autonomie und sozialer Eingebundenheit direkt und unverstellt wahr-nehmen können (Vgl. auch Rainer Goetz, Kunst-pädagogische Forschungsansätze und ihre Implikationen für die kunstpädagogische Praxis: Konzeptuelle Überlegungen und Handlungsmodelle für den Kunstunterricht. In: F. Sauter, W. Schneider, G. Büttner (Hrsg.), Schulwirklichkeit und Wissenschaft, Hamburg 2003). Diese semsterlangen, intensiven Projekterfahrungen dienen den Studierenden auch zur Beantwortung der Frage, ob eine lebenslange ästhetische Vermittlungspraxis in Schule oder Museum erstrebenswert ist und mit Freude „durchgehalten“ werden kann … Deswegen sollte diese intensive Theorie-Praxis-Auseinandersetzung möglichst in den ersten drei Semestern erfolgen. Für die Magisterhaupt- und nebenfachstudenten ist ein erfolgreicher Modellversuch übrigens Voraussetzung für die Zulassung zur Zwischenprüfung.

In erster Linie wollen wir aber mit all unseren Vermittlungs-Aktivitäten die Ästhetische Bildung innerhalb und außerhalb der Schule nachhaltig stärken, indem wir Kindern und Jugendlichen helfen, ihren eigenen interessierten Zugang zu den Künsten zu erschließen …

Beste Voraussetzung für dieses Projektstudium sowohl an Hochschule und Schule sind themenbezogene atmosphärische Bedingungen und stimmige Vermittlungssituationen, die das transversale Vermögen einer adäquaten Erspürung, des Staunens, der Verwunderung und der Faszination hervorrufen. Dies mündet in die zentrale Frage, ob und wie es uns in unseren Gestaltungs- und Vermittlungsprozessen gelingt, das Visuelle und Akustische einer Situation als Gespürtes in unserer Wahrnehmung festzuhalten.

Als aufschlussreich könnte sich diesbezüglich das neue Buch der Kunstpädagogik erweisen:

Rainer Goetz/Stefan Graupner (Hrsg.): ATMOSPHÄRE(N). Interdisziplinäre Annäherungen an einen unscharfen Begriff.

Ich freue mich sehr, dass wir dieses Kompendium rechtzeitig zu Semesterbeginn anbieten können und dass ich den Mitherausgeber wieder als hochgeschätzten Kollegen im Sommer-Semester begrüßen kann; er wird unsere Aufmerksamkeit und das sich notwendig ausbreitende Forschungsinteresse u. a. auf das Aufkommen der Bildwissenschaft lenken.

Ende des WiSe 2007/8 war intensives atmosphärisches Erleben angesagt, anlässlich der Urkundenfeier der Philosophischen Fakultät II in der Residenz und im Toscana-Saal. Ein atmosphärisch dichter Zwischenraum bildete sich zwischen Wahrnehmenden und Wahrgenommenen im Prozess der dortigen Aufführung der Kunstpädagogik heraus. Alle Anwesenden konnten beobachten, dass die gezeigten Körper-Skulpturen, Installationen und Filme der Kunstpädagogik-StudentInnen eine eigenständige Räumlichkeit schufen, die nicht der vorhandenen architektonischen Verfasstheit der Residenz geschuldet war, sondern der einmaligen Situativität unserer vielfältigen mediealen Bespielung. Auch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle engagierten Dozenten und StudentInnen: die Resonanz der Besucher war durchgängig höchst positiv.

Jetzt, im SoSe 2008, am 4. Juli, können wir auf neue Weise der zentralen Frage konkret anschaulich nachgehen, auf welchen Wegen sich das Visuelle und das Akustische unserer nochmaligen Bespielung des Toscana-Saals und der Residenz in unserer Wahrnehmung zu verankern vermag. Dazu möchte ich jetzt schon alle Studierenden der Kunstpädagogik ganz herzlich einladen.

Ebenso bitte ich den Termin (Anfang Juli) unserer Installationen in der St. Johannis-Kirche zu notieren, um die Innen- und Außengestaltungen miterleben zu können,

• um das Sinnliche des von uns veränderten Kirchenraums zu spüren,

• um den Sinnbezug der von uns geschaffenen Installationen und Filme zur kirchlichen Aussage zu herzustellen …

Zu diesen beiden herausragenden bildnerischen und inszenatorischen Ereignissen Anfang Juli, die im Sommersemester 2008 zugleich wieder engagierte experimentelle Labors in unserer »ZUKUNFT(s)WERKSTATT« voraussetzen, gesellt sich eine Vortragsreihe und eine Exkursion (vom 6. bis 8. Juni) u. a. zur Museumsinsel Hombroich und zu Pina Bausch. Genauere Programmhinweise zur Exkursion und zur Vortragsreihe finden Sie im Internet. Beide Aktivitäten stehen im Dienste einer zugleich kritischen und produktiven Reflexion von »Atmosphäre(n)«, indem sie sich auf die Prozesse der Hervorbringung, Wahrnehmung und ästhetischen Erfahrung fokussieren.

Die Kraft des Atmosphärischen liegt u.a. in seiner Eignung, Faszination auszulösen. Sie wiederum verweist auf die denk-würdige Realität des Bildes: der Zauber der eigenen und fremden Bilder nährt sich aus einem produktiven Staunen, das ich auch allen Studierenden der Kunstpädagogik im SoSe 2008 von Herzen wünsche.

Engagieren wir uns

für ein zauber-haftes Sommersemester 2008

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