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Begrüßung zum Wintersemester 2007/08

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

ist das fünfjährig wiederkehrende Versprechen, repräsentative Positionen und exemplarische Entwicklungen der Gegenwartskunst auszustellen und zu vermitteln, eingelöst worden von den künstlerischen Leitern der Documenta 12, Roger M. Buergel und Ruth Noack? Auf unserer Juli-Exkursion nach Kassel konnten wir uns ein eigenes Bild machen, ob wir einem „historischen Wendepunkt“ beiwohnten, der die Kunstwelt verändern würde als „Austellungsrevolution“ (Die Zeit) oder ob wir – etwas dezenter in der FAZ formuliert – von einer „Entdeckungsreise, einem Bildungserlebnis, einem Kunstereignis“ ausgehen durften …

Mit den drei weitgespannten Leitmotiven „Ist die Moderne unsere Antike?“, „Was ist das bloße Leben?“ und „Was tun (vor allem im Hinblick auf unser Generalthema Bildung)?“ wird auf das Wechselspiel zwischen den Kunstwerken, der von der Raumgestaltung ausgehenden Atmosphäre und dem interessierten Vermittler und Betrachter hingewiesen. So sollte uns die Ausstellungsinszenierung Räume ästhetischer Erfahrung eröffnen, die den „Eigensinn der Kunst“ zur Entfaltung und Wirkung verhelfen sollte …

Die von der Documenta 12 ausgelösten Erwartungen und konkreten Wahrnehmungen lassen sich nun auf der Exkursion zur 52. Biennale in Venedig vom 25.-27. Oktober exemplarisch vergleichen – ein Vergleich, der erst im historischen Rückblick seine endgültige Wertung erfahren wird: Harald Szeemanns zwei Biennalen im Vergleich z. B. mit seiner legendären, mit individuellen Mythologien aufgeladenen Documenta 5 oder Catherine Davids radikaler Versuch einer theoretisch ausgewiesenen Documenta 1997 im Vergleich mit der aktuellen Biennale-Thematik und –Ausstellung …

So hat der künstlerische Leiter, Robert Storr, die Biennale unter das Motto gestellt: »Think with the Senses – Feel with the Mind. Art in the Present Tense«. Damit stellt die Biennale einen Versuch dar, den Gegensatz zwischen dem Ästhetischen und dem Analytischen, zwischen sinnlicher und konzeptueller Kunst aufzubrechen. Wird damit Kunst in ihrer Offenheit und Experimentierfreudigkeit zur neuen Leitwährung der Kultur?

Beide Exkursionen zu den diesjährigen Weltausstellungen der Kunst motivieren und beflügeln uns selber in unseren eigenen bildnerischen, theoretischen und kunstvermittelnden Anstrengungen – besonders für das Progetto Tu Te La (Tuscia Teverina Laziale als Forum Europeo di Integrazione Artistica). So sieht unser Ausbildungskonzept vor, dass die diesjährige Gestaltungsexkursion nach Castiglione eingebettet zwischen Documenta 12 und 52. Biennale stattfindet: zunächst werden die jüngsten Erkenntnisse aus Kassel mit eingebracht in die bildnerische Recherche für das Progetto, um für die dortige Eröffnung des Museums und des Didaktischen Zentrums im Juli 2008 unsere, im Wintersemester vorzunehmenden Ausstellungs-, Film-, Video- und Performance-Beiträge adäquat vorbereiten zu können.

Die bildnerische Recherche in Castiglione wird dann auf der nachfolgenden 52. Biennale in Venedig reflektiert, diskutiert und verfeinert und in allen TuTeLa-relevanten Seminaren von Sabine Blum-Pfingstl, Teresa Dietrich-Stainov, Kristin Finsterbusch, Kathrin Herbold, Sandra Münchow und Andreas Rauh im Wintersemester 2007/08 weiterentwickelt und am Ende des Wintersemester im Rahmen der fortgesetzten Symposiumsreihe »Kriterien Ästhetische Bildung« im KUNSTRAUM vor- und ausgestellt.

Die Herausforderung des Museumsprojekts Tu Te La und einer dortigen Zusammenarbeit mit italienschen und deutschen Hochschulen liegt für uns darin, eine neue Form der Sinnlichkeit über unsere Projektorientierung »Vom Projekt-Tage-Buch über die Körper-Skulptur zum Bildertheater und zur Performance« zu entwickeln; ein psychophysisches Körperbewusstsein, das augenblickhaft strukturiert ist, soll über ästhetische Interessendifferenzierungen aufgebaut werden. Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit findet immer genau jetzt statt, jetzt auf unseren Exkursionen im Wintersemester, weder in der Vergangenheit mit ihren überkommenen Schönheitsbegriffen, noch in der Zukunft mit ihren fernen Utopien. Und dies versuchen wir mit unseren Symposiums-, Ausstellungs- und Performance-Projekten im KUNSTRAUM der Universität und im Museum und im Didaktischen Zentrum in Castiglione einem möglichst großen Publikum zu vermitteln …

Besonders aufmerksam machen möchte ich wieder auf die vielfältigen Modellversuche mit dem Konzept des interessen-differenzierten projekt-orientierten Kunstunterrichts unter der jeweiligen Leitung von Dr. N. Nowack-Göttinger (Grundschule), Christine Schöneborn (Sonderschule) und Dr. Rudolf Sanladerer (Haupt- und Realschule); ihn möchte ich ganz herzlich als neuen Kollegen begrüßen: mit Seinen Comic-bezogenen Wahrnehmungs- und Gestaltungsfeldern wird er unser Lehr-/Lernangebot bereichern … Übrigens: die Zulassung zur Magisterzwischenprüfung sieht die erfolgreiche Absolvierung eines solchen Modellversuchs vor. Fortgeschrittene, die sich zur Zwischenprüfung melden wollen, können bereits den festgelegten Prüfungstermin notieren: 07. Februar 2008.

Die neuesten Forschungsergebnisse aus diesen Modellversuchen und den laufenden Dissertationen werden im Forschungskolloquium jeweils donnerstags, 14.30 Uhr im KUNSTRAUM (Beginn: 8. Nov.) vorgestellt und diskutiert. U. a. wird Dirk Hartwig seinen Promotionsansatz
exemplifizieren im spannenden Handlungsfeld zwischen Kunstpädagogik und Kunsttherapie; ich möchte ihn auch an dieser Stelle herzlich gratulieren zu seiner Abordnung an die Universität Würzburg, ebenso gratulieren möchte ich unseren StudentInnen zu aufregenden Interaktionen zwischen Kunstpädagogik und Kunsttherapie …

Freuen wir uns also wieder auf ein an Höhepunkten reiches Wintersemester 2007/08.

Noch keine Reaktion zu “Begrüßung zum Wintersemester 2007/08”

  1. Kommentar von ... Linnari

    hmm. amazing :)

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